Wie kann man am Besten Französisch lernen?

Einige von Ihnen hatten sicherlich französischen Fremdsprachenunterricht in der Schulzeit, anderen sind vermutlich zumindest ein paar geläufige Standard-Vokabeln – etwa aus dem kulinarischen Umfeld – bekannt. Erinnerungen an den Französisch-Unterricht sind oft verbunden mit gemischten Gefühlen; das Erlernen dieser komplexen Sprache ist ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen. Dennoch gibt es viele gute Gründe, sich diese Sprache anzueignen, oder verstaubtes Grundlagenwissen wieder aufzufrischen. Es stehen Ihnen hierfür neben herkömmlichen Sprachkursen mittlerweile unzählige Sprachprogramme, Apps und Onlinetrainer als nützliche Hilfsmittel zum autodidaktischen Spracherwerb zur Verfügung. Im Folgenden können Sie sich über Vor-und Nachteile dieser Methoden einen Überblick verschaffen. Aber zunächst…

Warum Französisch lernen?

Französisch gilt als eine der schönsten Sprachen der Welt, Liebhaber schätzen ihren weichen, kultivierten Klang. Sie ist Verständigungsgrundlage und kultureller Bestandteil eines vielseitigen Landes im Herzen Europas, das für viele Menschen den Inbegriff des Hedonismus verkörpert. Frankreich wird verehrt für seine exquisite Küche und seine erlesenen Weine. Neben kulinarischen Genüssen hat das Land auch in anderen kulturellen Bereichen viel zu bieten: Insbesondere die Hauptstadt Paris spielt seit Jahrhunderten eine international bedeutende Rolle im Bereich der Bildenden Künste, des Films, der Literatur und gilt als Wiege einflussreicher intellektuell-philosophischer Strömungen. Durch die französische Revolution prägte Frankreich die Geschichte des heutigen aufgeklärten Europas nachhaltig.

Reiseziel Frankreich

Auch heute üben die Metropole Paris, der Flair der Städte entlang der Atlantik- und Mittelmeerküste, sowie die landschaftlich reizvollen ländlichen Gebiete (z.B. Burgund, Bretagne, Elsass) eine ungebrochene Anziehungskraft auf Reisende aus aller Welt aus. Wer im kulturellen oder kulinarischen Bereich arbeitet ist mit fundierten Französischkenntnissen ohnehin gut beraten. Aber auch für aufgeschlossene Touristen wirkt es sich bereichernd auf eine Frankreich-Reise aus, wenn sich die Kommunikation mit Einheimischen nicht nur auf nachgeschlagene Grußworte und Restaurant-Floskeln beschränkt. Frankreich legt großen Wert auf Erhalt und Pflege seiner Sprachkultur und wehrt sich gegen zu starke Überflutung von Fremdspracheneinflüssen, insbesondere von Anglizismen. Gerade in ländlichen Gebieten kann es daher durchaus einmal vorkommen, dass Sie mit englischen Verständigungsversuchen nicht sehr weit kommen. Doch nicht nur in Frankreich sind französische Sprachkenntnisse von Nutzen…

Wo wird noch Französisch gesprochen?

Französisch ist eine Weltsprache, die von ca. 220 Millionen Sprechern weltweit gesprochen wird. Auf allen Kontinenten finden sich Gebiete, in denen Französisch muttersprachlich (als Hauptsprache oder von Minderheiten) gesprochen, als Fremdsprache erworben und als Amtssprache eingesetzt wird. In Europa wird außerhalb Frankreichs in Belgien, Luxemburg, Monaco, sowie Teilen der Schweiz und Italiens Französisch gesprochen. Kanada ist ebenfalls in Teilen frankophon geprägt; insbesondere die kanadische Provinz Quebec legt großen Wert auf Erhalt und Schutz ihrer französischen Sprachkultur. Auch in der Karibik, einigen Inseln im Indischen Ozean, sowie vereinzelten Staaten Südost-Asiens wird teilweise Französisch gesprochen. Aus Kolonialzeiten ist die französische Sprache außerdem besonders im Norden und Westen Afrikas und in Zentralafrika sehr verbreitet. Nach dem Englischen stellt die französische Sprache im Kontext internationaler politisch-diplomatischer und wirtschaftlicher Organisationen die zweit wichtigste Verkehrs- und Amtssprache dar.

Die französische Sprache

…zählt zu den indogermanischen Sprachen und wird hier dem italischen Zweig der romanischen Gruppe zugeordnet. Sie ist mit anderen romanischen Sprachen, wie dem Spanischen, Portugiesischen, Italienischen und Rumänischen, eng verwandt. Wenn Sie bereits über Kenntnisse in einer dieser Sprachen verfügen, dürfte es Ihnen wesentlich leichter fallen, Französisch zu erlernen.

Entwicklung der französischen Sprache

Die französische Sprache geht wie alle romanischen Sprachen ursprünglich auf das gesprochene Latein („Vulgärlatein“) zurück. Sie weist einige keltische Einflüsse aus Zeiten der Besiedlung des heutigen französischen Gebietes durch die Gallier, bis ins letzte Jhd. v. Chr., auf. Die Eroberung des Territoriums durch germanische Stämme (Burgunder, Westgoten und Franken) in den folgenden Jahrhunderten führte zu weiteren sprachlichen Einflüssen aus dem Germanischen. Auch die Mittelmeer-Kolonien der Griechen ab dem 6. Jhd., sowie das Arabische und Englische hinterließen ihre Spuren in der französischen Sprache. Im Laufe des Mittelalters löste die französische Sprache nicht nur im gesprochenen Bereich, sondern auch als Hoch- und Schriftsprache zunehmend das bis dato vorherrschende (Schrift-)Latein ab. Im 16. und 17. Jhd. wurde die heterogene, durch viele Dialekte geprägte Sprache offiziell vereinheitlicht und gewann im Laufe des 17. und 18 Jahrhunderts zunehmend an Einfluss – auch über die Landesgrenzen hinaus. Durch Frankreichs Aufstieg zur bedeutenden Kolonialmacht verbreitete sich die französische Sprache schließlich in vielen Gebieten der Welt.

Der Wortschatz der französischen Sprache

Die zahlreichen politischen Einflüsse hinterließen im Laufe der Geschichte Frankreichs ihre Spuren in Form entlehnter und ererbter Wörter und prägen somit das heutige Sprachbild. Derzeit beläuft sich der Wortschatz der französischen Sprache auf geschätzte 300 000 Wörter – zum Vergleich: die englische Sprache umfasst ca. 600 000 Wörter, das Deutsche liegt mit ca. 400 000 – 500 000 Wörtern dazwischen. Der größere Wortschatz des Deutschen gegenüber dem Französischen ist vor allem darauf zurückzuführen, dass im Deutschen viele neue Wörter aus der Zusammensetzung zweier bereits bestehender Einzelwörter entstehen, während im Französischen z.B. ein „Erdapfel“ mit „pomme de terre“ umschrieben wird.

Die französische Grammatik

Im Französischen gibt es lediglich zwei Genera: Maskulinum und Femininum, ein sächliches Genus gibt es nicht; auch auf Gegenstände wird mit weiblichen oder männlichen Pronomina Bezug genommen. Die Schwierigkeit beim Erlernen französischer Vokabeln besteht unter anderem darin, sich auch das richtige Geschlecht einzuprägen – dieses entspricht nicht unbedingt dem Genus des deutschen Wortes (z. B.: „der Mond“, aber „la lune“). Eine gewisse Orientierung bieten hierbei Endungen, die zumeist mit einem bestimmten Genus einhergehen (-ie, -ée, -té, -ette, -tion, -ssion zeigen i.d.R. weiblichen Genus an). Hier gibt es jedoch Ausnahmen, die geduldiges Auswendiglernen erfordern. Adjektive, die im Französischen zumeist dem Substantiv nachgestellt sind, richten sich nach dem Genus und erhalten bei weiblichen Nomen die Endung -e (z.B. „un homme grand“, „une femme grande“).
Der Satzbau im Französischen gestaltet sich recht einfach: Sowohl Aussage-, als auch Fragesätze können in der Reihenfolge: Subjekt, Prädikat, Objekt aufgebaut werden: „Elle va à l’école“ kann je nach Satzzeichen „Sie geht zur Schule.“ oder „Geht sie zur Schule?“ bedeuten. Besonders anspruchsvoll wird es hingegen bei den französischen Tempus-Formen und der Deklination der Verben, hier ist kontinuierliche Übung gefragt.

Die französische Aussprache

Eine Herausforderung beim Erlernen der korrekten französischen Aussprache, insbesondere für deutsche Muttersprachler, stellen die Nasallaute dar. Diese werden durch Kombination eines Vokals mit einem darauffolgenden n oder m angezeigt, sofern diesen kein weiteres n, m, oder ein Vokal folgt: Z. B. Nasallaut bei „les gens“ (die Leute), aber nicht bei „elles viennent“ (sie kommen). Nasallaute erinnern an die deutsche Aussprache von „on“ oder „ön“, wobei der Laut im hinteren Rachen-Nasalraum gebildet und das n lediglich subtil mitklingt.
Auch die oft ähnliche Aussprache verschiedener Wörter ist eine Schwierigkeit für Sprachanfänger. Oft wird die unterschiedliche Bedeutung gleichklingelnder (homonymer) und obendrein beinahe gleich geschriebener Worte lediglich durch einen Akzent über dem Vokal angezeigt, bzw. muss im gehörten Kontext richtig interpretiert werden, z. B. „ou“ (oder), „où“ (wo).

Einige Ausspracheregeln

…können helfen, die korrekte Aussprache geschriebener französischer Sprache schnell zu verinnerlichen. Um die wichtigsten Beispiele zu nennen:

• Konsonanten und der Vokal e am Wortende werden in der Regel nicht ausgesprochen,
• ebenso bleibt ein h zu Beginn des Wortes stumm.
• Die Endung der 3. Person Plural (-ent) wird ebenfalls nicht ausgesprochen.
• Vom Deutschen abweichende Aussprache von Vokalen:
– Ai wird ähnlichen einem deutschen „ä“ ausgesprochen,
– au und eau wie „oh“,
– e und eu klingen wie „ö“ – trägt das e aber einen „accent aigu“ (é), wird es
wie ein deutsches „e“, mit einem „accent grave“ (è) oder einem „accent
circonflexe“ (ê) wie ein deutsches „ä“ ausgesprochen.
– U wird wie „ü“ ausgesprochen, kombiniert mit o (ou) wie ein deutsches „u“.
– Oi klingt wie „oa“.
• Besondere Aussprache von Konsonanten:
– C und g werden vor i und e wie „s“ bzw. „sch“ ausgesprochen, ansonsten wie „k“,
bzw. „g“. Wird das c jedoch mit „cedille“ gekennzeichnet (ç), erklingt es
ebenfalls als „s“ (z. B. bei „garçon“).
– Ch wird wie „sch“ ausgesprochen.
– J erklingt stets als stimmhaftes „sch“,
– qu klingt hart, wie ein „k“ im Deutschen.

Französisch lernen

Um die französische Sprache in Eigenregie zu erlenen, stehen Ihnen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung, die jeweils Vor-und Nachteile mit sich bringen:

durch Sprachkurse

Eine gängige Möglichkeit stellen Französisch-Sprachkurse dar. Sie werden in nahezu allen Städten (z.B. an Volkshochschulen) angeboten. In der Regel gibt es hierbei gestaffelte Angebote von Anfänger- bis hin zu Fortgeschrittenenkursen. Somit werden Sie mit Ihrem eventuell bereits vorhandenen Vorwissen in der französischen Sprache weder über- noch unterfordert. Unter Umständen ist es auch möglich, Sprachkurse, die an Universitäten angeboten werden, als Gasthörer zu besuchen – informieren Sie sich bei Hochschulen in Ihrer Nähe. Das Lernen innerhalb eines Fremdsprachenkurses mit Mitstreitern auf gleichem Sprachniveau bietet den Vorteil, dass sie keinem Leistungsdruck ausgesetzt sind und ungehemmt an ihrer Aussprache feilen können. Hier steht und fällt jedoch alles mit der Kompetenz des Kursleiters/der Kursleiterin. Im besten Falle handelt es sich hierbei um eine/n französische/n Muttersprachler/in; so können Sie sich an einem Vorbild, was authentische, akzentfreie Aussprache anbelangt, orientieren.

bei Sprachreisen

Eine noch effektivere Möglichkeit des Spracherwerbs bietet sich in Form von Sprachreisen nach Frankreich oder in andere französischsprachige Länder. Hierbei handelt es sich um eine Verbindung von Fremdsprachenkursen und direkter Erprobung des Erlernten vor Ort. Es ist eine Binsenweisheit, dass Sprache immer am besten und am schnellsten in der Umgebung erlernt wird, in der sie muttersprachlich gesprochen wird. Immer mehr Schüler nutzen aus diesem Grund die Möglichkeit eines Austauschjahres während der Schulzeit. Im Berufsleben bleibt leider eher selten Zeit für längere Auslandsaufenthalte zu Zwecken der Selbstbildung. Innerhalb einer mehrtägigen bis hin zu mehrwöchigen Sprachreise kann aber durchaus ein sinnvolles, kompaktes Grundlagenwissen vermittelt werden, das Sie dann zu Hause durch eigene Übungen, mit Hilfsmitteln und Fortgeschrittenenkursen vertiefen können. Im Internet finden Sie eine Vielzahl von Sprachreise-Anbietern.

mit Sprachpartnern

Eine immer verbreitetere Möglichkeit zur Vertiefung von Sprachkenntnissen, gerade in Studentenstädten, stellen Sprachpartnerschaften dar. Sie basieren auf der Grundidee, dass eine Person aus einem anderen Land, die zeitweise in Ihrem Land lebt, Ihnen als „Privatlehrer“ zur Verfügung steht und Sie in ihrer Sprache, ggf. auch in kulturellen Besonderheiten unterweist. Im Gegenzug vermitteln Sie dem Gast Einblicke in Ihre Sprache und geben ebenfalls Hilfestellung beim Spracherwerb. Diese Sprachpartnerschaft stellt eine fruchtbare, kostengünstige (hier werden lediglich „gegenseitige Dienstleistungen“ ausgetauscht) und bei beidseitiger Sympathie auch sehr unterhaltsame Art des Lernens dar. Sprachpartner finden sich z.B. über soziale Netzwerke, Aushänge oder Zeitungsannoncen.

durch Sprachpakete: Lehrbuch und CD/ DVD

Das Lernen der französischen Sprache mithilfe eines Sprachpakets, bestehend aus einem Lehrbuch und einer begleitenden CD oder DVD, kann ein guter Weg sein für Autodidakten, die viel Eigendisziplin mitbringen. Unzählige Anbieter bieten solche Sprachpakete an, teils mit unterschiedlichen Schwerpunkten, z. B. Businesssprache. Die im Schwierigkeitsgrad langsam steigenden Lektionen und Übungen zur Grammatik und zum Wortschatzaufbau werden durch begleitende Hörbeispiele (bzw. bei DVDs auch visuelle Demonstrationen) unterstützt. Dies bietet gegenüber lediglich schriftlichen Lehrbüchern den immensen Vorteil, dass Sprachklang, Aussprache – bei DVDs auch Mimik und Gestik – direkt nachvollzogen und beliebig oft angehört/angesehen werden können. Ein Manko ist hierbei gegenüber Sprachkursen oder –partnerschaften jedoch die fehlende aktive Sprachpraxis durch Dialoge mit einem realen Gegenüber.

mit Sprach-Apps und Onlinehilfen

Schließlich stehen Ihnen zahlreiche kostenlose oder günstig zu erwerbende Sprach-Apps für Ihr Smartphone, Sprachsoftware und Onlinehilfen zum Erlenen der französischen Sprache zur Verfügung. Diese richten sich an unterschiedlichste Bedürfnisse, können etwa durch Vokabeltraining zur Erweiterung Ihres Wortschatzes (ggf. in bestimmten thematischen Bereichen) beitragen. Viele Programme „merken“ sich die Bereiche, in denen sie wiederholt Schwierigkeiten haben und liefern Ihnen gezielte Übungen. Durch Spracherkennungstools kann außerdem ihre Aussprache korrigiert und optimiert werden. Wie beim Lernen mit Lehrbüchern kommt hier jedoch ebenfalls der aktive Charakter der Sprache als lebendiges Kommunikationsmedium zu kurz; in Kombination mit Sprachreisen, Kursen, Sprachpartnern oder privaten Frankreichreisen bieten diese Möglichkeiten aber sehr effektive Hilfestellungen beim Erwerb der französischen Sprache.

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